Berufseinsteigerfrage für „high potentials“ April 2015

Karrierenews im Magazin „high potential“

in der Ausgabe April 2015 wurde die Berufseinsteigerfrage der Personal- und Karriereberaterin Heidi Steinberger gestellt.

Thema: Konkurrenz im Job – Wo hört Wettrüsten im Kollegium auf?

Franz P. (26): „Seit einigen Wochen arbeite ich in einem großen Konzern. Hier gibt es noch weitere Berufseinsteiger und jeder möchte sich bestmöglich einbringen. Grundsätzlich verstehen wir uns sehr gut, jedoch bemerke ich einen unausgesprochenen Konkurrenzkampf zwischen uns. Das beginnt schon bei den Arbeitszeiten. Meine beiden Kollegen bleiben immer länger, um Präsenz zu zeigen – auch wenn nichts dringendes anliegt. Muss ich meine Arbeitszeiten künstlich verlängern, um mich beim Chef beliebt zu machen und meine Aufstiegschancen zu erhöhen? Wo hört das gegenseitige Wettrüsten im Job auf?“

Heidi Steinberger antwortet:

Das Thema ist so vielschichtig, dass es „die“ eine Antwort darauf gar nicht geben kann. Ihrer Frage entnehme ich drei Themenkomplexe, zu denen ich Ihnen einige Argumente liefern möchte: Arbeitszeit, innerbetrieblicher Wettbewerb und Aufstiegschancen.

Ein Blick auf diverse Studien zeigt, dass jeder dritte Arbeitnehmer regelmäßig Überstunden macht, jeder zweite Deutsche einen Wettbewerb unter Kollegen wahrnimmt, wer die meisten Überstunden leistet und jüngere Kollegen zwischen 18 und 29 Jahren sich davon einen Karriereschub erwarten.

Extrem viel zu arbeiten hat eine symbolische Bedeutung: Präsenz im Büro wird zum Strategiemittel im Kampf um Prestige. „Wer lange arbeitet, ist wichtig“. Deshalb ist das Zur-Schau-Stellen langer Arbeitsstunden ein wichtiges Mittel – wenn auch absurd und überholt in Zeiten moderner Kommunikationstechnologien, flexibler Arbeitszeiten und der oftmals angebotenen „Vertrauensarbeitszeit“.

Zu ununterbrochener Konzentration ist man nur etwa 30 bis 40 Minuten fähig. Bei normalen Tätigkeiten fällt die Leistungsfähigkeit ab der neunten Stunde deutlich ab. Wer länger arbeitet, als er sich konzentrieren kann, wird zum Risiko. Übermüdung provoziert Fehlentscheidungen und Flüchtigkeitsfehler.

Konkurrenz im Unternehmen ist keine außergewöhnliche Situation, denn unsere Wirtschaft funktioniert nach dem Wettbewerbsprinzip. Konkurriert wird auf allen Ebenen; am stärksten ist der Konkurrenzkampf zwischen Mitarbeitern, die auf einer Stufe stehen.

Wie Konkurrenz ausgetragen wird, ist immer ein Spiegel der gelebten Kultur, die stärker als der Einzelne ist. Auch wenn die Menschen formal freier arbeiten könnten, kontrollieren sie sich in einer Präsenzkultur weiterhin gegenseitig.

Gegen solche Auswüchse hilft Solidarität unter Kollegen. Mein Vorschlag: bereiten Sie dem Überstundenwahn ein Ende. Aber nicht allein, sondern gemeinsam und im Gespräch mit Ihren Kollegen. Sie brauchen Ihre Freizeit – auch, um für Ihre Arbeit am kommenden Tag fit zu sein.

Es kommt auf die Leistung an, nicht auf die Anwesenheit. Sie weisen anhand Ihrer individuellen Arbeitsergebnisse nach, dass Sie Ihre Leistung in vollem Umfang erbringen. Zeigen Sie auf, dass Sie effektiver arbeiten und besser entscheiden, wenn Sie am nächsten Morgen ausgeruht statt müde zur Arbeit kommen.

Sie müssen „Potenzial“ zeigen. Zwingende Grundvoraussetzung für eine Beförderung ist eine in den Augen der Vorgesetzten erstklassige, engagierte, überdurchschnittliche Leistung in der gegenwärtigen Aufgabe. Arbeiten Sie darauf hin, innerhalb Ihrer Abteilung ein kompetenter, erfolgreicher Leistungsträger zu werden, so dass Ihre Chefs es keinesfalls riskieren möchten, Sie durch Kündigung zu verlieren.

Fragen Sie in Beurteilungsgesprächen, wie Ihre weitere Entwicklung im Unternehmen aussehen kann und sagen Sie ganz offen, dass Sie an einer weiteren Entwicklung und mehr Verantwortung interessiert sind – das reicht.

Wer nur still vor sich hinarbeitet, wird selten etwas – ein bisschen Marketing in eigener Sache gehört dazu.

Sie haben noch Fragen dazu?

…Sie erreichen mich unter Telefon 089 – 288 52 792.